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Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf
Broschüre: Kunst in Hellersdorf
Titelseite:
Leben in Hellersdorf
Ein junger Berliner Stadtteil und
sein Engagement für die Kunst
Eine Dokumentation über Kunstobjekte
und Kunstaktionen in Hellersdorf
Seite 2:
Impressum
Seite 3:
Inhaltsverzeichnis
Seite 4:
Vorwort
Seite 5:
Warum engagieren wir uns für Kunst?
Kunst erleben - Kunst erfahren
Kunst in Hellersdorf findet man an
nahezu jeder Ecke. Da gibt es bunte
Bilder und raffiniert gestaltete
Objekte an den Hausgiebeln. Da
findet man auf einen Blick markante
Skulpturen und Bildhauerwerke, die
unübersehbar einen Platz oder einen
bestimmten Punkt im Quartier
markieren. Kunst aber auch in den
vielen grünen Außenanlagen der
"Gartenstadt" Hellersdorf. Mal ist
es eine Phantasiemauer, mal ein
Summstein, mal ein Wasserpilz. Kunst
nicht zuletzt in Hauseingängen oder
an anderen Stellen, wo Kunst
eigentlich kaum vermutet wird.
Für die einen sind diese
Kunstobjekte eine reine
Verschönerungsmaßnahme. Für die
anderen Objekte, mit denen man sich
auseinandersetzen muss. Wieder
andere interessiert das alles
überhaupt nicht.
Dennoch sind alle diese Kunstobjekte
und Bilder, diese Ansichten und
Aussichten, ein ganz wesentlicher
Teil des Lebens in Hellersdorf. Die
Kunst regt an und regt auf, sie
inspiriert, verschönt oder zeigt dem
Betrachter ganz neue Seiten auf. Sie
ist wie eine neue Tapete, die einen
in seinem individuellen Lebensraum
umgibt, in der man sich wohlfühlt
und mit der man Tag für Tag lebt.
Kunst in Hellersdorf ist ganz
einfach der Versuch oder die
Antwort, einem Stadtteil eine
Persönlichkeit zu geben. Kunst ist
dabei weder Dekoration, noch
Beiwerk, sondern ein integraler
Bestandteil de ganzen Bezirks. Kunst
setzt sich dabei mit den
Besonderheiten seiner Umgebung und
der dort wohnenden Menschen
auseinander. Kunst kann die
Eindrücke verstärken, kommentieren
oder aber auch ins Gegenteil
wandeln. Kunst begleitet die
Entwicklung genau dort, wo Kunst
sich präsentiert.
Natürlich darf Kunst keine Theorie
sein. Sie muß sich in der Praxis
beweisen und entweder geliebt oder
gehaßt werden. Sie muß vor allem von
den Menschen angenommen werden. Das
ist in Hellersdorf gelungen.
Zumindestens in der Weise, daß die
Bewohner von Hellersdorf sich mit
ihrer Kunst auseinandergesetzt
haben. In vielen Diskussionen, aber
auch in vielen Mitmachaktionen.
Kunst in Hellersdorf kommt also auch
aus Hellersdorf, aus der Mitte
seiner Bewohner heraus. Und vor
allem die jungen Menschen in
Hellersdorf haben begeistert daran
mitgewirkt. Ein Beispiel dafür sind
viele Graffitis an Wänden, Zäunen
und Mauern.
Was also ist Kunst in Hellersdorf?
Kein Mittel zum Selbstzweck, keine
aufgezwungene "Kunst am Bau" und
noch weniger ein "Nichts" inmitten
pulsierender, aufstrebender
Wohnbezirke und seiner Menschen.
Kunst in Hellersdorf, das ist ganz
einfach ein selbstverständlicher
Bestandteil des Wohnens und Lebens
in diesem Stadtbezirk. Ein Partner
im Alltag, den man um nichts in der
Welt missen möchte.
Wenn Kunst daneben auch ein Stück
Zuhause ist, ein Stück Heimat, ein
Zielpunkt, zu dem man immer gerne
zurückkehrt, dann ist ein Teil des
Engagements für Kunst in Hellersdorf
sicherlich gelungen.
Seiten 6-13:
Kunst statt Kieselgrau
Bunte "Giebellandschaft" im
Grabenviertel
In wohl keinem anderen Wohngebiet in
Berlin gibt's soviel Kunst gebündelt
wie in Hellersdorf. Sogar an den
Giebelwänden der Häuser. Im
sogenannten Grabenviertel rund um
die Spremberger Straße sind an 21
Giebeln Fassadenmalereien und
plastische Gestaltungen zu
bewundern. Damit ist das
Grabenviertel in seiner Art
sicherlich einmalig und
unverwechselbar.
Die Basis-Idee
Basis für die Gestaltung der
Giebelwände mit Kunst bildete das
sogenannte "Quartierskonzept". Ein
Gutachten, das aufzeigt, wie den
einzelnen Quartieren mit ihren
verschiedenen städtebaulichen,
landschaftlichen und historischen
Elementen eine klare Identität
zugeordnet werden kann. Eines dieser
Quartiere ist das Grabenviertel, in
dem Kunst ganz bewußt als
Gestaltungselement empfohlen wurde.
Bereits 1993 hinterließen zwei Ost-
und zwei Westberliner Künstler im
Auftrag der WoGeHe aus sechs
Hellersdorfer Fassaden ihre
Handschrift. Im Frühjahr 1993 gab
dann die WoGeHe den Startschuß für
ein weiteres Kapitel in Sachen
"Kunst am Bau". In dieser mit einer
technischen Wärmedämmung der Giebel
verbundenen Aktion dienten 15
weitere 10 x 15 Meter große
Giebelwände im Grabenviertel als
Staffelei.
Gestaltungs-Wettbewerb
Der Auswahl geeigneter Entwürfe
durch eine fachkundige Jury, in der
auch Mietervertreter Stimmrecht
hatten, ging ein Wettbewerb voraus,
an dem sich 23 Künstler beteiligten.
Die Jury achtete dabei ganz
besonders darauf, daß nicht jeder
Entwurf für sich alleine, sondern in
einem Zusammenhang zum Viertel
stand. Nach langen Diskussionen
entschied sich die Jury für fünf
Künstler(gruppen), einer aus dem
Osten und vier aus dem Westen der
Stadt.
Die Ergebnisse des Wettbewerbs
wurden zugleich auch den Anwohnern
im Rahmen einer Ausstellung im
Kulturforum bekannt gemacht. Viele
Hellersdorfer brachten dabei
zusätzliche Anregungen für die
Gestaltung mit ein und diskutierten
mit den Künstlern.
Die künstlerische Linie
Trotz der Unterschiedlichkeit der
Techniken, Materialien, Farben und
dargestellten Inhalte sind die
einzelnen Werke mit ihrer
individuellen künstlerischen
Handschrift deutlich sichtbar Teile
einer Komposition für das ganze
Quartier.
Für die Giebel mit einer besonderen
Wirkung nach außen (Fernwirkung von
der Hellersdorfer und der Alten
Hellersdorfer Straße wählte man
markante reliefartige Elemente bzw.
Plastiken, die durch klare
geometrische Formen und Farben
Aufmerksamkeit erregen und die
Monotonie der Gebäude aufbrechen.
Beim Übergang zum Graben in der
Spremberger Straße werden die klaren
Linien von geschwungenen, die
eigentliche Form nur andeutende
Linien und dadurch entstehende
Flächen abgelöst. Das Thema
"Kontakt" wird in Variationen
dargestellt. Dabei nutzte man
bewusst die baulichen Anordnungen
der Giebel für die künstlerische
Aussage. Die Künstler "spielen"
dabei mit den verschiedenen
Ansichten, die man aus
unterschiedlichen Blickwinkeln hat.
Der Raum der Cottbusser Straße
ordnet sich ebenfalls in das Thema
"Begegnung bzw. Verflechtung" ein.
Hier sind es Figuren, die in
Graffiti-Kunst ausgeführt, den
Betrachter begleiten.
Fassadenkunst mit praktischen
Maßnahmen verknüpfen
Bei der Durchführung der
Gestaltungsmaßnahmen schlug man
praktisch zwei Fliegen mit einer
Klappe. Die Fassadenkunst wurde
grundsätzlich auf vorher
wärmegedämmte Giebel aufgebracht.
Das Nützliche der ohnehin
notwendigen Endbeschichtung mit Putz
und Farbe wurde dann auf optimale
Weise mit dem Schönen verbunden.
So bunt wie das Leben selbst
Die Vielfalt der Fassadenkunst im
Grabenviertel gibt dem Quartier ein
wohl einmaliges Flair und eine
Identität, mit der sich die dort
wohnenden Menschen identifizieren
können. Das Grau in Grau ist Form
und Farbe gewichen. Hellersdorf ist
so bunt wie das Leben selbst.
Giebel
Alte Hellersdorfer Straße 179
Spremberger Straße 12 und 18
Spremberger Straße 5,7, und 19
Cottbusser Platz 11
Die beiden Berliner Künstler Klaus
Schmidt und Erika Klagge
erarbeiteten ein gemeinsames
künstlerisches Konzept.
Ausgangspunkt ihrer Entwürfe war zum
einen der Graben, der gleichzeitig
trennende und verbindende Wirkung
hat und zum anderen die fast
dörfliche Atmosphäre, das nahe
Beieinandersein der Menschen. Die
Künstler leiteten daraus ihr Thema
"Kontakt" ab und wählten ein Motiv
aus der Kunstgeschichte: Die
Erschaffung Adams von Michelangelo
aus dem Deckengemälde der
Sixtinischen Kapelle in Rom.
Erika Klagge stellt die Geste
der Hände und die Beziehung der
Blicke dar. Zwei Torsituationen,
winkelig zueinanderstehende Wände
sind dabei jeweils blau bzw. gelb,
sehr hell und transparent gemalt. In
diese Fläche ragen die Hände und
Köpfe in der etwas dunkleren Farbe.
Das ineinanderliegende Rechteck
bedeutet einmal, daß die
Körperfragmente Ausschnitte aus
einem größeren Bildzusammenhang
sind, zum anderen ist es eine
geometrisch-formale Weise, ein
Ganzes (das Wandformat) in zwei zu
teilen - oder zwei zu einem Ganzen
zu machen.
Klaus Schmidt thematisiert
die Bewegung der Körper zueinander.
Auf zwei hintereinanderstehenden
Giebeln ist die aufeinanderzugehende
Bewegung der Körper Adams und des
"Gottvaters" dargestellt. Das
Gesamtbild ergibt sich von einem
Standpunkt vor dem Bezirksamt. Bei
näheren Standorten verschiebt sich
das Verhältnis der beiden Figuren
zueinander, Kontakt als Bewegung.
Auf dem abseits liegenden dritten
Giebel befinden sich die figürlichen
Elemente, aus denen der Adam
zusammengesetzt ist. Die Elemente -
in einem einheitlichen, hellen
türkisgrau lackierten Aluminium -
sind nebeneinander, in senkrechter
Position aufgereiht.
Die "Erschaffung" erschließt sich
dem Betrachter erst bei einem
Spaziergang entlang des Grabens, der
Raum wird zum Erlebnisraum.
Giebel
Alte Hellersdorfer Straße 10, 24 und
38
Die Grundidee der Gruppe Odious,
bestehend aus den Künstlern Klaus
Duschat, Klaus Hartmann und David
Lee Thompson: Die Giebel nicht als
bloße Bildträger, sondern als Teil
der Architektur und dessen Umfeld zu
betrachten. Deshalb hat Odious eine
minimale plastische Lösung gewählt,
die die Wand direkt einbezieht.
Ein senkrechtes und zwei
unterschiedlich geneigte 14-16 Meter
hohe feuerverzinkte Stahlrohre, von
tiefschwarz bis hellblau lackiert,
erzeugen direkt vor der Giebelwand
einen Ablauf, eine Bewegung. Die
Rohre ergeben je nach Tageszeit
verschiedene Schattenlinien auf der
Wand ähnlich einer Sonnenuhr.
Giebel
Hellersdorfer Straße 205 und 215
Die künstlerische Idee von Gisela
Genthner: Zwei konstruktive Zeichen
für Hellersdorf zu schaffen, die von
der Ferne eine Signalwirkung
entwickeln und für die Bewohner des
Quartiers Erkennungszeichen
darstellen. Sowohl von der
Hellersdorfer Straße, der Riesaer
Straße, der U-Bahn als auch von dem
Gebäudekomplex hinter der Bahn sind
beide Wände gut zu sehen.
Als Grundformen hat die Künstlerin
ein Dreieck und ein Rechteck
gewählt, die als Hintergrundmalerei
für die plastischen Elemente dienen.
Diese sind zollstockartig zu einem
Zeichen geformt, jedes Element ist
vier Meter lang. Die
"Zollstockelemente" wurden aus 3 mm
starkem Aluminium hergestellt und
pulverbeschichtet. Um eine
Schattenbildung zu ermöglichen,
wurden die Zeichen mit einem Abstand
von 15 cm in die Wände verankert.
Giebel
Cottbusser Straße 38,70 und 71
Kastanienallee 9
Senftenberger Straße 17 und 43
Seine plastische Gestaltung an der
Senftenberger Straße beschreibt der
chilenische Künstler Cesar Olhagaray
mit folgenden Worten: "Ein Kind
steht auf dem Rücken eines
pferdeähnlichen Tieres. Das Pferd
steht stark und ruhig, ebenso das
Kind auf dem Rücken. Beide zeigen
ihren Stolz bei ihrem Spiel, oder
will das Kind in der Höhe Antwort
von einem Himmelsgeist fordern?
Vielleicht will es nur die frische
Luft, die über den Gebäuden schwebt,
spüren."
Die Edelstahlfiguren (ohne
Farbanstrich) setzen sich aus
elementaren geometrischen
Grundfiguren zusammen.
Die Graffitis des Künstlers in der
Cottbusser Straße nehmen das Thema
"Begegnung" auf. Die fünf
gestalteten Giebel zeigen auf der
ganzen Fläche verteilt teils
ineinanderverschlungene
Phantasiefiguren, die unbegrenzten
Raum für die Interpretation bieten.
Das "Beziehungsgeflecht" der Bilder
kann als dekorativer Wandschmuck
aber auch als eine ereignisreiche
Geschichte verstanden werden.
Die Graffitis sind frei auf die Wand
gezeichnet und in Spritztechnik
realisiert.
Giebel
Senftenberger Straße 35/37
Realisiert durch die Künstlerin
Christina Allzeit aus Berlin
Giebel
Senftenberger Straße 9/11
Realisiert durch die Berliner
Künstlerin Eva-Maria Hellmich.
Giebel
Senftenberger Straße 1
Realisiert durch den Künstler Stefan
Fahrnländer.
Seiten 14-15:
Schöner Wohnen
Kunst in Hauseingängen und
Treppenhäusern
Der Eingang ist die Visitenkarte
eines Hauses. Und wo sonst kann
besser als anderswo für die
Individualität eines Hauses sorgen.
Für die Gebäude in Hellersdorf gab
es dabei noch ein zusätzliches
Argument. Die bisherige Monotonie,
das triste Allerlei der Hauseingänge
und Treppenhäuser sollte weichen.
Die Häuser sollten erkennbar,
unverwechselbar und einmalig sein.
Die Kunst mußte hier eindeutig für
mehr Attraktivität und für mehr
Lebens- und Wohnqualität sorgen. Es
sollte zukünftig Spaß machen, ein
Haus zu betreten und darin zu
wohnen.
Eine Aufgabe, die bei den hunderten
von Hauseingängen und Treppenhäusern
zunächst nicht leicht erschien. Um
so erfreulicher die Resonanz einer
Ausschreibung zur künstlerischen
Neugestaltung der Hauseingänge und
Treppenhäuser. Mehr als 100 Künstler
wollten mit ihren originellen Ideen
mitmachen. Eingereicht wurden dabei
mehr als 650 Entwürfe. Die Palette
reichte dabei von Malereien über
Keramik- und Holzarbeiten bis hin zu
Skulpturen aus unterschiedlichsten
Materialien. Manche wollten die
beispielsweise die Eingänge
vollständig umkonstruieren oder
bezogen sogar den ganzen Straßenzug
samt Begrünung und neuer Beleuchtung
in ihre Planskizzen mit ein.
Wichtig für die letztendliche
Entscheidung war dabei auch, die
Bewohner der Häuser in die
Realisierungsphase mit zu
integrieren. Denn die neugestalteten
Hauseingänge sollten vorrangig
natülich von den Benutzern
akzeptiert werden. Die Künstler
setzten sich dabei mit den Mietern
in vielen Diskussionen auseinander.
Was sich heute in Hellersdorf an
neugestalteten Hauseingängen und
Treppenhäusern präsentiert, ist
Vielfalt in ihrer schönsten Form.
Freundliche, helle, einladene
Eingangsbereiche; bunt und
unverwechselbar; mit Formen und
Farben individuell gestaltet.
Kurzum, ein Zuhause, wo es Spaß
macht zu wohnen und wo man sich
einfach wohlfühlt.
Seiten 16-19:
Mit Ideen gestalten
Kunst in den Außenanlagen von
Hellersdorf
Kunst im Grünen, das ist zweierlei
Genuß und typisch Hellersdorf. An
vielen Stellen findet der Wanderer
zwischen den unterschiedlichen
Welten in Hellersdorf künstlerische
Objekte. Und die stehen beileibe
nicht für sich alleine, sondern sind
immer integraler Bestandteil der
gestalteten Anlage. Kunst hat hier
den Zweck, sich mit Themen
auseinanderzusetzen, markante
Mittelpunkte zu schaffen oder
einfach nur einen ruhenden Pol zu
bilden. Wer aufmerksam durch
Hellersdorf spaziert wird dabei
immer neue Eindrücke gewinnen.
Vielfalt ist dabei die Sicht, die
Dinge immer wieder neu zu sehen.
Das Hellersdorfer Tor
Am "Hellersdorfer Tor" an der
Kreuzung Landsberger Allee und
Stendaler Straße pulsiert das Leben.
Es ist das Zentrum zum Einkaufen,
Flanieren, zum Sehen und Gesehen
werden. Hier trifft man sich, hier
ist immer was los. Und so bestand
denn das künstlerische Konzept
darin, eine Gestaltung zu finden,
die schon von weitem dazu einlädt,
dieses Zentrum zu besuchen,
neugierig zu machen auf das, was
dort passiert. Kurzum eine markante
Visitenkarte für den ganzen Bezirk
zu schaffen.
Der Blickfang am Eingang zum
Fußgängerbereich Tangemünder Straße
wird zunächst von großen
Säulenpappeln gebildet. Die
Stendaler Straße wird über einen
drei Meter breiten Promenadenweg mit
der Einkaufspassage verbunden. Der
Weg wird von modernen Lampen
gesäumt.
Unterschiedlich große farbige
Steinquader, die von der Straße aus
gut sichtbar sind, bilden den Zugang
zum Fußgängerbereich. Genau hier
befindet sich auch das erste
"Hellersdorfer Freiluftkino".
Zwischen den beiden größeren Quadern
läßt sich nämlich schnell eine
Leinwand aufspannen, auf der an
lauen Sommerabenden Filmklassiker
oder spannende Thriller zu sehen
sein werden.
Brunnenanlage Cecilienplatz
Unübersehbar und dominierend, ein
wenig verspielt und nicht zuletzt
ein wirklich außergewöhnliches
Bildhauer-Meisterwerk: Die
Brunnenanlage auf dem
"Cecilienplatz" hinter dem U-Bahnhof
Kaulsdorf Nord. Geschaffen von dem
Bildhauer Kai-Uwe Dräger.
Zwei gewaltige Granitsäulen, beide
rund 6 Meter hoch und circa 22 bzw.
17 Tonnen schwer, erheben sich über
dem Gelände. Bei genauerem Hinsehen
wird deutlich, daß sich beide Säulen
optisch erheblich unterscheiden. Die
Säulen sollen dabei die
verschiedenen Kräfte erlebbar
machen, die in dieser
städtebaulichen Situation wirken.
Neben dem "Granittor" gehören dazu
eine sogenannte Wasserachse und ein
Quaderblock aus Kalkstein. Vier
wassersprühende Türme im Zentrum des
Platzes, verbunden durch eine
Stahlbrücke, die einen
"Wasservorhang" herablassen,
komplettieren das Ensemble.
Einzigartig auch die Gestaltung des
"Cecilienplatzes" selbst, die nach
den Plänen der
Landschaftsarchitektin Barbara Hanke
erfolgte. Sie gliederte die 12.000
Quadratmeter große Freifläche
optisch in drei Bereiche auf:
Vorplatz, Hauptplatz und seitliche
"Bewegungsräume".
Wer den Platz durch die beiden
Granitsäulen hindurch betritt, kann
den Eindruck gewinnen, durch eine
sich weit öffende, große Pforte zu
gehen, die urplötzlich den Blick auf
eine reizvolle Wohnlandschaft
freigibt.
Spiel- und Erholungspark Zossener
Straße
Kunst hat viele Facetten. Im Spiel-
und Erholungspark an der Zossener
Straße kann man dies gut entdecken.
Kunst läßt sich hier sozusagen "mit
allen vier Sinnen" genießen. Es
duftet nach Lavendel und Jasmin, es
gibt einen "Summ-Stein", mit dem
sich Klänge zaubern lassen und eine
Phantasiemauer. Man kann
verschiedene Materialien und
Strukturen ertasten, sich Früchte
von Obstbäumen schmecken lassen und
vieles mehr. Der Spiel- und
Erholungspark ist damit Kunst zum
Anfassen und Genießen.
Betonkugeln am Kummerower Ring
Betonkugeln verschiedener Größe
schlagen am Kummerower Ring gleich
Meteoriten in eine Betonplatte ein
und brechen sie auf. Dazwischen
ziehen sich sichelförmige Bänder aus
Granitpflasterungen und
Heckenbänder, durch die die gesamte
Umgebung charakterisiert wird.
Hinter dem Objekt steht die
Realisierung der künstlerischen
Idee, die vorhandene Betonplatte
bewußt nicht zu entfernen, sondern
den Umbruch und Neubeginn Berlins
optisch im Aufbrechen des
Vorhandenen - also der Betonplatte -
zu symbolisieren.
Aufgebogener Weg im Stadtplatz am
Teterower Ring
Ebenfalls für die Veränderungen und
den Umbruch in Berlin steht der
sogenannte "Aufgebogene Weg"
zwischen Teterower Ring und
Cecillienstraße.
Das Kunstobjekt bezeichnet das Ende
des leicht geschwungenen,
landschaftlich gestalteten, Fußwegs
zwischen den Parkplätzen am
Teterower Ring, der in den
Stadtplatz mündet. Der Weg findet
hier Widerstand im regelmäßig
gebauten Quadrat des Stadtplatzes
und bricht dann an einer Säule des
Platzes, die sich ihm in den Weg
stellt.
Der Weg bäumt und biegt sich auf.
Die Säule setzt ihm dabei Widerstand
entgegen, weicht aber der Gewalt.
Sie wird fast umgestoßen, aber
optisch im Fallen festgehalten. Der
bis hierhin verlaufende regelmäßige
Plattenbelag löst sich unter dem
aufgebogenen Weg auf und wird
ersetzt durch Chaospflaster.
Seiten 20-23:
Markante Punkte
Groß-Skulpturen in Hellersdorf
Sie sind eigentlich unübersehbar,
die drei Gross-Skulpturen, die die
Ortseingänge nach Hellersdorf
markieren. Jede Skulptur setzt für
sich ganz besondere Zeichen. Alle
repräsentieren drei unterschiedliche
Positionen in der zeitgenössischen
Kunst und verwirklichen ein Konzept,
das untereinander eine gedankliche
Verbindung herstellt.
Definiert man "Stadt" als ein
architektonisches und soziales
Gebilde, dann sollte Kunst auch die
Beziehungen zwichen den Menschen und
ihrer Stadt thematisieren. Und so
bilden denn auch die drei Parameter
"Mensch", "Raum" und "Bewegung" die
Grundthemen für die drei Skulpturen
in Hellersdorf.
Die Vorüberlegungen
Um von den allgemeinen Ansätzen zu
einer bestimmten künstlerischen Idee
zu kommen, mußte zunächst eine
präzise Analyse der vorgesehenen
Standort vorgenommen werden.
Am östlichen Stadteingang an der
Riesaer Straße gab es keinen klaren
Übergang von der Bebauung in die
umgebende Landschaft. Die gesamte
städtebauliche Situation war diffus
und optisch unruhig:
Straßenbahnleitungen, Lichtmasten
und Tankstellenreklame bildeten ein
Gewirr von aufstrebenden optischen
Zeichen.
Die Grünplanung entwickelte daher
eine gebogene Baumreihe, die am
Rande der Stellplätze für die
Anwohner eine grüne Grenze bildet.
Ein relativ kleiner, rechteckiger
Rasenplatz sollte als Standort für
die Skulptur dienen.
Das passende Kunstwerk hier mußte
ebenso groß und monumental, wie aber
auch Durchsichtig und leicht wirken.
Diese Voraussetzungen waren die
Basis für die Entscheidung, hier das
Thema "Mensch", genauer "Körper", im
Sinne einer konstruktiv-figurativen
Position anzusiedeln. Die Wahl fiel
dabei auf den Vorschlag von Frank
Dornseif mit seinem Kunstwerk "Der
Zeichner".
Eine ganz andere Situation am
westlichen Stadteingang
Cecilienstraße. Hier führt die
Autotrasse von Marzahn kommend in
die Stadt hinein. Sie durchschneidet
das Wuhetal und folgt dabei dem
Landschaftsprofil. Der Ankommende
hat dadurch einen langen, ziemlich
symetrischen Blick auf die Stadt,
die sich hier klar abgegrenzt
präsentiert. Das Thema "Raum" sollte
hier Gestaltung finden.
Hier entschied man sich für einen
Vorschlag von Inge Mahn, die einen
Stadteingang in Form einer
architektonischen Skulptur als
"Steinerner Turm mit Wetterhahn"
symbolisiert.
Nicht zuletzt mußte noch eine Lösung
für den südlichen Stadtbereich -
Kreuzung Hellersdorfer und Gülower
Straße - gefunden werden. Die
belebte Kreuzung wird dabei
überwiegend von fahrendem Verkehr
passiert. Und so lag es denn nahe,
hier das Thema "Bewegung"
anzusiedeln, für das eine kinetische
Edelstahlskulptur von Rolf
Lieberknecht ausgewählt wurde.
Alle drei Skulpturen setzen jede auf
ihre Weise ein ganz besondres
Zeichen für Hellersdorf. Sie sind
ein visuelles Angebot für die
Bewohner und Besucher der Stadt, die
damit ein unverwechselbares
"Gesicht" erhält.
Ein "Turm mit Wetterhahn" für die
Cecilienstraße
Direkt an der äußersten Grenze von
Hellersdorf, an der Grünzone Wuhetal
findet man dieses weithin sichtbare
Kunstwerk. Einen Turm mit Windrose
und Wetterhahn. Ein Wahrzeichen,
Wegzeichen oder Wegwächter. Nachts
hell erleuchtet. Klar, einfach und
einprägsam in der Form. Professor
Inge Mahn, Professorin für
Bildhauerei an der Kunsthochschule
Berlin-Weißensee, wollte eine
architektonische Plastik, die nicht
in Konkurrenz zu anderen
Arrchitekturen steht, die die
Senkrechte betont und die eben ein
Turm, eine Säule oder ein Ausguck
ist. Bezogen auf den bäuerlichen
Ursprung von Hellersdorf folgt der
Dachaufsatz bäuerlicher Tradition.
Die Windrose ist ein Kreuz, dessen
vier Enden die Himmelsrichtungen
anzeigen. Waagerechte und Senkrechte
(männlich und weiblich) verbindend
ist es ein kosmisches Zeichen.
Darüber steht eine vergoldete Kugel,
die sowohl Sonne als auch Mond
symbolisiert. Ganz oben dann der
Hahn; er dreht sich als Wetterhahn
und gilt als Sonnenvogel, der gegen
Feuer schützt, als Wächter, weil er
morgens weckt, sobald es dämmert.
Ein "Windspiel" an der Gülzower
Straße
Professor Rolf Lieberknecht,
Professor an der weithin bekannten
Folkwang-Schule der Universität
Essen, ist durch seine
bildhauerischen Arbeiten weltweit
bekannt. Er schuf die windkinetische
Skulptur an der Gülzower Straße. Die
vom Wind animierte Skulptur
entfaltet ihre dreidimensionale
Wirkung durch ihre raumgreifenden
Bewegungen ihre kinetischen
Elemente. So entsteht im
Wechselspiel von Balance und
Schwerkraft eine zeichenhaft
lyrische Choreografie von
schwingenden und kreisenden
Rhythmen, unvorhersehbar und
miteinander korrespondierend, ein
unaufhörliches tänzerisches
Ausweichen vor der Einwirkung des
Windes.
Über einem leicht geneigten
statischen Basiselement trägt ein
exzentrisch rotierendes Mittelteil
einen frei um eine Schrägachse
pendelnden Flügel. Die insgesamt 18
Meter hohe Skulptur aus
nichtrostendem Stahl ist auf einem 4
Meter hohen Sockel plaziert. Der
Durchmesser des Bewegungsraumes
beträgt circa 10,4 Meter. Als
urbanes Stadtzeichen ist das
"Windspiel" weithin sichtbar und
setzt ebenso wie alle anderen
Kunstwerke ein besonderes Zeichen in
Hellersdorf.
"Der Zeichner" an der Riesaer Straße
Frank Dornseifs Großskulptur "Der
Zeichner" an der Riesaer Straße
markiert einen der Ortseingänge von
Hellersdorf. Die Größe der Figur
verleiht ihr Präsenz im Verhältnis
zu den blockhaften Gebäuden.
Gleichzeitig aber erlaubt die auf
ihr Gerüst reduzierte Figur auch
Durchblicke auf das, was hinter ihr
liegt und was sich um sie herum
befindet.
Die Figur des "Zeichners" (8 Meter
hoch, 8 Meter tief und 18 Meter
lang) steht auf einer Stahlplatte in
der Form ihres eigenen
Schattenbildes, das im Gegensatz zu
der Skeletthaftigkeit der Figur
deren fleischliche, vollkörperliche
Projektion darstellt. Diese
Konfrontation einer zeichenhaften,
auf ihr Gerüst reduzierten und
trotzdem vollplastischen Figur mit
ihrem zweidimensionalen Schatten,
ist ein Thema, das der Künstler
Frank Dornseif immer wieder
aufgreift und neu bearbeitet. Es
beinhaltet die Konfrontation von
Innenwelt und Außenwelt oder das
Wechselspiel zwischen realem und
möglichem Sein. Ein Kunstwerk also,
daß zum Nachdenken zwingt, an dem
man sich aber auch einfach nur so
durch seine Form und Ausdruckskraft
erfreuen kann.
Seiten 24-27:
Verwandlungskünste und Lichtobjekte
Aktionskunst in Hellersdorf
Aktionskunst lebt von Ideen und
Anstößen. Sie läßt etwas vollkommen
Neues entstehen, das reizt: Zum
Nachdenken, zum Schmunzeln, zur
begeisternden Annahme oder zur
totalen Ablehnung. Aktionskunst lädt
aber auch ein zu Spiel und Spaß und
zur Beschäftigung mit faszinierenden
neuen Welten. Aktionskunst "Made in
Hellersdorf" ist nicht zuletzt ein
Ereignis und Erlebnis für die
Bewohner des Bezirks. Ein
Aufeinandertreffen verschiedenster
Meinungen, die unter dem Strich
eigentlich immer in einer Aussage
enden: "In Hellersdorf ist immer
Aktion." Und das sicherlich im
wahrsten Sinne des Wortes.
Die Weihnachtsbaumaktion
Der Weihnachtsbaum als Kunstobjekt?
Eine verwegene Idee der WoGeHe, die
jedoch von Berliner Aktionskünstlern
begeistert aufgenommen wurde. Zehn
15 Meter hohen Christbaumriesen, die
ansonsten nach Weihnachten einfach
der Entsorgung zugeführt werden,
hauchten die Künstler neues Leben
ein.
Was draus entstand? Nun,
Interpretation war erlaubt,
Nachdenken gewünscht und ein Lächeln
ausdrücklich empfohlen. Die Bäume
setzten Zeichen - ob es nun Frage-
oder Ausrufezeichen waren, blieb dem
Betrachter überlassen.
Baum Zossener Straße
"Kunst soll nicht nur an den Wänden
hängen, sondern vielerorts erlebbar
sein. Für mich stand das Schmücken
des Baumes auf originelle Weise im
Vordergrund", interpretierte die
Berliner Künstlerin Christina
Allzeit ihre Kreation. Und so
entstand ein Puzzle aus zwölf bunt
bemalten Holzkisten. In fröhlichen
Farben fanden sich darauf ein Clown,
Dinos, Früchte, ein Walfisch, eine
Sternenkarte und Sternzeichen. Mit
den kräftigen Farbtupfern wollte
Christina Allzeit Lebensfreude und
Optimismus in den Alltag zaubern.
Was ihr sicherlich auch gelang. Denn
immerhin waren die kleinen
Kunstwerke so begehrt, daß sie schon
innerhalb kurzer Zeit verschwunden
waren.
Baum Cecilienstraße
Für die Künstlerin Eva Maria
Hellmich ging es darum, den Baum als
Symbol des Lebens zu erhalten. Und
so gestaltete sie den Hellersdorfer
Vogelbaum. Dazu holte sie sich sogar
fachlichen Rat von den
Revierförstern in Berlins grüner
Umgebung. Meisenringe und Knödel,
Futtertöpfe und Nistkästen sollten
dafür sorgen, daß es in dem Geäst
recht lebhaft zugeht. Die Vögel
jedenfalls, die während dieser Zeit
in Hellersdorf überwinterten, fanden
an dem reichhaltigen Nahrungsangebot
des Vogelbaums großen Gefallen - zur
Freude vieler Anwohner. Freuen
konnten sich aber auch wenige Zeit
später Hellersdorfer Kindergärten
und Schulen. Sie erhielten die
Vogelhäuschen des Baumes als
Geschenk.
Bäume Alte Hellersdorfer Straße,
Cottbusser Platz und
Louis-Lewin-Straße
Gleich an drei Plätzen in
Hellersdorf beschäftigte sich der
Künstler Wieland Bauder mit dem
Thema "Verletzte Natur". Um zu
verdeutlichen, daß die einzelnen
Skulpturen stellvertretend für einen
größeren Zusammenhang stehen, hat
Bauder die Äste abgeschlagen und den
Stamm geweißt.
Die Bäume in der Gotaher Straße und
am Cottbusser Platz zersägte er und
fügte danach die beiden Stammhälften
mit Hilfe eines dicken Taus wieder
zusammen. Dabei setzte der die
"Unbeholfenheit" des Versuchs der
Wiederherstellung der natürlichen
Form des Baumes ganz bewußt als
Gestaltungsmittel ein. Rot gefärbte
Schnittflächen symbolisierten die
verletzte, "blutende" Natur".
An der Skulptur in der Böhlener
Straße fand der Betrachter 15
Warnschilder "Offenes Feuer
verboten!". Ein Appell Wieland
Bauders gegen die Brandrodung.
Nachdenken war also bei den
Kunstobjekten Bauders gefragt. Die
Darstellung seiner Objekte regte
dazu an.
Baum Hellersdorfer Straße
Einen Baum voll mit Windmühlen
gestaltete der Künstler Heini
Linkshänder. Eine Name übrigens, der
nicht von ungefähr kommt. Heini
Linkshänder hat in der Tat bei einem
Unfall den rechten Arm verloren. Er
nannte sein Thema "Ich denke, was
ich tu und was machst Du?" Die
Windmühlen am Baumstamm sind für
Linkshänder ein Symbol dafür, wie
schnell (und leicht?) man bereit
ist, seine Meinung zu ändern. Was
Linkshänder grundsätzlich von seinem
Publikum erwartet? Die Bereitschaft
nachzudenken und zu schmunzeln - vor
allem über sich selbst. Nur ein
Originalzitat: "Manche Worte sind
wie Steine, die nicht untergehen."
Bäume am Bezirksamt, in der
Stendaler sowie Quedlinburger Straße
Der Künstler Pee Rattey gehörte
sicherlich zu den Fleißigsten der
der Weihnachtsbaumaktion. Gleich
vier Bäume nahm er für seine Kunst
unter seine Fittiche. Rattey will
provozieren - zum genaueren
Hinsehen, zum Auseinandersetzen mit
Problemen und Zuständen unserer
Zeit. Dafür bieten seine Skulpturen
durch Form, Farbe aber auch Titel
sicherlich Reibungspunkte genug. Mit
der Leichtigkeit und hintergründigen
Heiterkeit seiner Kreationen will er
nicht zuletzt zu einem Lächeln
ermuntern.
Innerhalb kurzer Zeit schuf Rattey
mit fleißigen Helfern viel bestaunte
Objekte. Den "Hellersdorfer
Nadelbaum" zum Beispiel, der
geradezu zum Widerspruch einlud. Die
"Hellersdorfer Freiheitsstatue", mit
der Rattey das Klischee der Freiheit
aus seiner Sicht definierte. Und
nicht zuletzt zwei "Windmobile", mit
denen der Künstler zeigen wollte,
daß Kunst auch den Sinn hat, nur
sich selbst darzustellen und somit
neue Formen hervorbringen kann.
Die Hellersdorfer Lichtbrücke
Zu einer weit über die Grenzen
Hellersdorf hinaus beachteten
Kunstaktion wurde die "Hellersdorfer
Lichtbrücke". An einem
Erntefestwochenende konnten die
Besucher dabei nach Einbruch der
Dunkelheit ein faszinierendes
Ereignis erleben. Auf einige
Häuserfassaden rund um den
Cottbusser Platz wurden geometrische
Figuren projeziert, Symbole,
Porträts, bizarre Gebild; ständig
wechselnde Bilder in Farbe und
Schwarz/Weiß. Der an sich freie Raum
hatte plötzlich ein Gesicht, geprägt
von tausenden von Lichtstrahlen.
Eine Gruppe von Künstlern aus vier
Ländern gestaltete dieses Spektakel.
Ziel sollte es sein, dem mit
künstlerischer Giebelgestaltung
aufgewerteten Grabenviertel eine
weitere Dimension hinzuzufügen.
Keine Malerei, keine plastischen
Elemente - keine Arbeiten der
Bildenden Kunst im üblichen Sinne.
Die Idee kam schließlich von dem
Grafiker und Designer Gleb Gamasin.
Er wollte mit Hilfe von kunstvoll
verknüpften Lichtreflexionen
Architektur und Freiräume in einem
neuen Licht erscheinen lassen. Den
Einsatz solcher Stilmittel hatte
Gamasin schon öfters erprobt.
Diesmal nun scharte er für die
Verwirklichung der "Hellersdorfer
Lichtbrücke" eine internationale
Künstlergruppe um sich - darunter
Modellbauer, Holzgestalter, Designer
und Architekten. In die Vorbereitung
wurden übrigens auch Schüler und
Schülerinnen der 2. Hauptschule in
Hellersdorf einbezogen. Die jungen
Leute waren dabei mit Feuereifer bei
der Sache.
Als es dann hieß "Licht aus, Spot
an" bot sich für den Betrachter eine
Kunstaktion der besonderen Art.
Bilder, Formen, Farben,
Lichtstrahlen wechselten wie im
Fluge. Immer neue Ansichten und
Eindrücke entstanden. Die
"Hellersdorfer Lichtbrücke" war
damit ohne Zweifel ein
Kunsterlebnis, an das man noch lange
zurückdenkt.
Seiten 28-31:
Graffiti-Kunst in Hellersdorf
Junge Künstler ganz groß
Kunst und Wohnen gehört zusammen.
Deshalb lag es auch nahe, ebenfalls
mit Graffiti künstlerische Akzente
zu setzen. Dies zumal Hellersdorf
ein Stadtbezirk der Jugend ist. Und
die artikuliert sich mit dieser
jungen Kunstform überall auf der
Welt an Häuserwänden, Hofdurchgängen
und anderen Stellen, wo große
Flächen ganz einfach reizen, mit der
Farbsprühdose tätig zu werden.
Graffiti und Graffiti aber sind
zweierlei Welten. Da gibt es die
Kunstform Graffiti und auf der
anderen Seite wilde, verbotene
Schmierereien. Und genau letzteres
darf nach wie vor nicht geduldet
werden. Gleichwohl müssen den jungen
Leuten dennoch Alternativen geboten
werden, um ihre Graffiti-Kunst zu
"leben". Und genau das hat die
WoGeHe den jungen Bewohnern in
Hellersdorf ermöglicht.
Die Idee: Eine Kunstform zu fördern
und dabei gleichzeitig die
Kunstaktivitäten der jungen
Graffiti-Künstler in geordnete und
sinnvolle Bahnen zu lenken. Grafiti
in aller Öffentlichkeit: So hieß das
Ziel.
Graffiti als Kunstform
Was steckt nun hinter dieser
Kunstform Graffiti? Eine völlig
klare Definition ist selbst den
Fachleuten kaum möglich. Zuviel
verschiedenes wird darunter
verstanden. Dennoch gibt es
Gemeinsamkeiten: Graffiti befinden
sich in der Regel an´der Wand. Und
ob man es nun wahrhaben will oder
nicht - das gilt sowohl für die
Höhlenzeichnungen als eine der
frühesten Äußerungen menschlicher
Kultur wie auch für die Schmäh- und
Sinnschriften, aus denen Archäologen
Rückschlüsse auf den Alltag der
plötzlich von Lava und Asche
verschütteten römischen Stadt
Pompeji ziehen.
In der Aufzählung der Graffiti-Arten
dürften - so sehen es jedenfalls die
Fachleute - auch Namenszüge auf
touristische Sehenswürdigkeiten
ebensowenig fehlen wie das, was man
gemein darunter versteht: Die
Schriftzeichen an Hausfassaden,
U-Bahnen, etc.
Der Wand etwas anvertrauen
Wer der Wand etwas anvertraut,
möchte in der Regel auch etwas
sagen, wozu ihm oft andere
Möglichkeiten fehlen. So kannten die
italienischen Staaten der
Renaissance beispielsweise eine
institutionalisierte Form der
Graffiti. Wände, die Gebeten,
Polemiken oder anderen Aussagen Raum
gaben. Allerdings kam eine solche
Freigabe der Wand immer nur in
begrenztem Umfang und an bestimmten
Orten in Frage.
Graffiti in aller Öffentlichkeit
Graffiti ist also durchaus eine
anerkennenswerte Kunstform.
Allerdings gibt es nur wenig
offiziell dafür zur Verfügung
stehenden Raum. Also wird von den
jungen Künstlern oft verbotener
Weise auf irgendwelche Hauswände
gesprüht, mit dem Ergebnis, daß hier
natürlich auch Eigentumsrechte
verletzt werden. Ganz absehen davon,
daß gerade an dieser Stelle Graffiti
erwünscht oder aber gestalterisch
sinnvoll erscheint.
Warum also nicht von vornherein
jungen Künstlern Raum für ihre
Graffiti-Kunst schaffen? Eine Idee,
die die WoGeHe mit viel Erfolg
durchgeführt hat. Graffiti ganz
offiziell genehmigt im öffentlichen
Raum. Eine Sache, die allen
Beteiligten viel Spaß gemacht und
nicht zuletzt oft genug zu
anspruchsvoller Graffiti-Kunst
geführt hat. Selbst wenn man über
dieses und jene Graffiti-Bild
natürlich - wie bei Kunst überhaupt
- streiten kann.
Grafiti-Boulevard
Zu den vielen Graffiti-Aktionen in
Hellersdorf zählte beispeilsweise
der sogenannte Graffiti-Boulevard.
Ein rundum gelungenes Graffiti-Fest,
bei dem es im Rahmen eines
Wettbewerbs darum ging,
Sprühkreationen zunächst einmal auf
große Pappwände zu zaubern. Die
Statistik wies hier immerhin 50
eigenschriebene Teilnehmer aus.Die
Zahl aller Sprüher war jedoch
weitaus höher.
Die Aktion war zugleich ein
"Nachbarschaftsfest" aller
Hellersdorfer.Für die Kleinen gab's
Hüpfburgen, für die Großen Sekt und
Freibier, für den Magen Erbsensuppe
und nicht zuletzt ein buntes
Unterhaltungsprogramm für alle.
12 muntere Hellersdorf-Kids kamen
mit ihren Werken in die Endauswahl.
Sie hatten die Chance, ihre
Sprühkreation ganz offiziell in
Hofdurchgängen oder auf Hausfassaden
in Hellersdorf zu verwirklichen.
Graffiti in Hauseingängen
Über zehn Hofdurchgänge sind
zwischenzeitlich mit bunter,
farbenfroher Graffitikunst versehen
worden. Graffiti von Hellersdorfern
für Hellersdorf. Und das Ergebnis
beweist, wie faszinierend Graffiti
sein kann, wenn Flächen nicht
hingeschmiert, sondern tatsächlich
ohne Angst vor dem Erwischtwerden
von den jungen Künstlern gestaltet
werden können.
Graffiti am Bauzaun
Auch Bauzäune sind natürlich ein
ideales Betätigungsfeld für
Graffitikünstler. Und von Bauzäunen
gab es ja während der vielen
Baumaßnahmen in letzter Zeit genug.
Grund genug, für diese Flächen
ebenfalls eine Graffiti-Aktion ins
Leben zu rufen. Eine Aktion für
kleine und große Künstler. Und nicht
zuletzt ein sinnvolles Angebot zur
Freizeitgestaltung Jugendlicher.
Das Ergebnis dieser Aktion war
überwältigend. Über 300 Beteiligte
verwandelten den tristen Bauzaun in
einen farbenfrohe, bunte Fläche. Da
konnte man staunen über
realistisches, zeichnerisches Talent
oder aber auch darüber sinnieren,
was die Künstler allein mit Form und
Farbe ausdrücken wollten. Es gab
viel zu Schmunzeln und auch einiges
durchaus Nachdenkenswertes.
Der bunte Bauzaun ist irgendwann
natürlich verschwunden. Was
geblieben ist, ist die Begeisterung
sich mittels der Graffiti
auszudrücken. Träume, Hoffnungen und
Wünsche können sichtbar werden. Bei
Graffiti auf jeden Fall.
Graffiti in Außenanlagen
Die Möglichkeit, offiziell Raum für
Graffiti zu schaffen, darf sich
nicht auf einmalige Aktionen
beschränken. Deshalb wurden auch in
den Außenanlagen in Hellersdorf an
bestimmten Stellen Flächen
geschaffen, die offiziell als
Sprühwand freigegeben sind und wo
sich Graffitibegeisterung austoben
kann. In den meisten Fällen gehörte
die Einrichtung einer Sprühwand
schon von vornherein zum Konzept der
Planer und Gestalter.
Überwiegend positiv
Natürlich ist es nicht immer
jedermanns Geschmack, was da in
bunter Vielfalt auf den Wänden
entstanden ist. Aber ist es nicht
besser, Jugendlichen ein Angebot zu
schaffen als ihnen durch ständige
Verbote den notwendigen Freiraum zu
nehmen? Ist es nicht ein positives
Zeichen, wenn Graffiti das Leben an
sich etwas bunter und farbenfroher
macht statt alles immer nur Grau in
Grau zu sehen? Der überwiegende Teil
der Hellersdorfer sagt hier
eindeutig: Ja!
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Broschüren-Rückseite
Text/Redaktion: Helmut Peters
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