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Man baut oder kauft ein Haus nur
einmal im Leben. Also braucht
die Immobilienbranche auch keine
zufriedenen Kunden. Eine ganz
falsche Denke!
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Marketing ist menschlich.
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Überall dort, wo Menschen in
Kontakt zueinander treten,
entsteht im Prinzip Marketing.
Denn es kommt ganz real zum
Transfer von Werten zwischen
Parteien, oder wie es der
amerikanische Marketingpapst
Kotler formuliert, zur
Anbahnung, Erleichterung,
Abwicklung und Bewertung des
Austauschs von ideellen und
materiellen Werten zwischen
Parteien. Marketing ist uns also
durchaus auch im privaten
Bereich seit langem bekannt. Wir
"verkaufen" uns ständig selbst
oder das, wofür wir einstehen.
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Nahezu jede Frau überlegt sich
zum Beispiel sehr genau eine
(Marketing-) Strategie, wie sie
ihren Mann durch das Angebot von
ideellen Gegenleistungen davon
überzeugen kann, sie zu einem
Einkaufsbummel zu begleiten. Für
den Mann gilt das Gleiche, wenn
er beispielsweise in die Kneipe
oder mit Freunden einen
Wochenendurlaub verbringen will.
Natürlich wird man dem
zukünftigen Partner beim ersten
Rendezvous ebenso nur seine
Schokoladenseite präsentieren.
Die Beispiele ließen sich
fortsetzen. Bei all solchen
Situationen wird das Verhalten
wohl kaum mit Marketing in
Verbindung gebracht werden,
obwohl es sich dabei im
ureigensten Sinne genau um
Marketing handelt.
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Erstaunlich ist, dass wir zwar
instinktiv alle wissen, dass
eine Strategie über
Emotionalisierung (sozusagen aus
dem Bauch heraus) sehr viel
erfolgversprechender ist, als
eine über Rationalisierung (also
über den Kopf). Dennoch negieren
wir diese Lebenserfahrung kaum
dass wir vom privaten in den
geschäftlichen Bereich wechseln.
dass Zigaretten oder Cognac über
den Bauch verkauft werden
können, sehen viele ein. Aber
dass dies genauso für Immobilien
gilt, wird wider besseren
Wissens abgestritten.
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Emotionen bieten die besseren
Argumente
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Es ist davon auszugehen, dass
gerade der Immobilienkauf ein
Emotionalkauf, wenn nicht sogar
der emotionalste Kauf überhaupt
ist. Und das gilt sowohl für
eigengenutzte Häuser/Wohnungen
wie auch für Kapitalanlagen.
Denn schließlich muss der
Eigennutzer in der Regel eine
lange Zeit seines Lebens Tag für
Tag in und mit dieser Immobilie
buchstäblich leben. Aus diesem
Grunde dürfte er die Immobilie
also unter zutiefst emotionalen
Aspekten auswählen.
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Ähnliches gilt für den Anleger.
Ansonsten wäre wohl kaum zu
erklären, warum entgegen allen
rationalen Argumenten
wirtschaftlich erfahrene
Personen sich mit teilweise
höchst fragwürdigen
Transaktionen, wie zum Beispiel
Sonderabschreibungen oder
Verlustzuweisungen,
herumschlagen. Die Erklärung ist
einfach: Emotionen sind eben die
besseren Argumente.
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Gleichwohl ist es mit Emotionen
so eine Sache. Männer
beispielsweise werden von Kind
an so erzogen, dass sie
Emotionen zu unterdrücken und zu
kontrollieren haben. Das alte
Vorurteil, dass Jungs überhaupt
nicht weinen und Mädchen, die
weinen, als hysterisch gelten,
zwingt dazu, Emotionen zwangvoll
beherrschen zu müssen. Das führt
dazu, dass wir alle in der Regel
zunächst einmal nur geneigt
sind, vordergründigen objektiven
Argumenten zu glauben. Emotionen
allein reichen deshalb nicht
aus. Sie müssen vielmehr mit
rationalen Argumenten
unterfüttert werden. Fragt man
einmal Menschen nach Gründen für
eine Kaufentscheidung, so werden
die rationalen Argumente als
ausschlaggebend angeführt.
Gleichwohl ist dennoch in der
überwiegenden Anzahl der Fälle
eine rein emotionale
Kaufentscheidung getroffen
worden.
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Nutzen verkaufen
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Rationale Argumente sind also
nur nach außen hin maßgebend.
Tief im Inneren schlummern
unbewusst die emotionalen
Aspekte, die letztlich
Entscheidungen beeinflussen.
Wer, wie in der
Immobilienbranche zumeist
üblich, nur in Kubikmetern
umbauten Raum oder Nasszellen
argumentiert, berücksichtigt
demzufolge kaum, wie Menschen
nun einmal "gestrickt" sind.
Diese Tatsache ist in der
Immobilienbranche deshalb
besonders gefährlich, weil hier
in der Regel technisch
vorgebildete Personen
beschäftigt werden, die gewohnt
sind, in exakten, objektiven
Dimensionen zu denken und
versuchen, alle Dinge
berechenbar und nachprüfbar zu
machen. Eine solche Denke ist
zwar beim Bau eines Hauses
unerlässlich - wer möchte schon
in ein Haus ziehen, dessen
Statik nach Gefühl erstellt
worden ist. Unter dem Strich
bleibt jedoch: Wir verkaufen
kein Haus, sondern bieten dem
Nachfrager einen Nutzen, das
eigene Heim beispielsweise, das
dieser attraktiv findet und
haben will.
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Technik ist nicht alles
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In vielerlei Hinsicht ist das
Auto mit einer Immobilie
vergleichbar. Oft genug wird ja
auch vom Auto als von einem Heim
auf Rädern gesprochen.
Sicherlich ist das Auto Technik
pur. Dennoch kauft eigentlich
kein Mensch ein Auto wegen der
obenliegenden Nockenwellen, der
Fünf-Ventil-Technik oder
irgendeiner Kennfeldzündung. Im
Grunde genommen kaufen wir alle
ein Auto, weil uns die äußere
Form gefällt, weil der Nachbar
auch so eines hat oder weil es
das richtige Markenzeichen
trägt. Solche Kaufgründe werden
jedoch nur selten als
Kaufargument angegeben. Es gilt
eben als "ungeschickt", etwas so
Hochwertiges und Teures wie ein
Auto aus rein emotionalen
Erwägungen zu kaufen. Viele
Marktforscher verwechseln dabei
allzu leicht, dass die geäußerte
Meinung durchaus nicht mit den
tatsächlichen Kaufgründen
übereinstimmt.
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Ebenso verhält es sich mit der
Immobilienbranche. Da jeder beim
Immobilienkauf mit rationalen
Argumenten hantiert - erst recht
innerhalb der Branche - wird
daraus geschlossen, dass dies
die tatsächlichen Kaufgründe
sind. Also stellt man diese auch
in der Kommunikation heraus.
Ohne jedoch dabei zu bedenken,
dass die rationalen Argumente
nur Rechtfertigung für einen
emotionalen Kaufentscheid sind.
Anders: Die Emotio ist der
Nutzen, der allein ein
Preisopfer rechtfertigt. Die
Ratio ist nur der Beweis für die
Richtigkeit der emotional
getroffenen Kaufentscheidung.
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Solches gilt zum Beispiel auch
für den Anleger. Dessen
emotionaler Nutzen ist nämlich,
dem Finanzamt ein Schnippchen
schlagen zu können und dem
Steuerbeamten, der schon die
Vorauszahlung kassiert hat, sein
mühsam verdientes Geld ganz
legal wieder zu entziehen. Der
Beweis ist die Rechnung vor und
nach Steuern, je Quadratmeter
oder bei Spitzensteuersatz in
Prozent.
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Mit Unwägbarkeiten
auseinandersetzen
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Eine solche Haltung ist ganz
natürlich, hat doch Marketing
immer mit Menschen zu tun. Und
Menschen sind nun einmal
emotional, irrational und
unberechenbar. Es wäre doch
verwunderlich, wenn gerade diese
Menschen sich zu wandelnden
Computern verändern würden,
sobald nur das Wort Immobilie in
ihrer Sichtweite auftaucht. Das
Gegenteil ist der Fall. Deshalb
kommt man auch nicht umhin, sich
mit den Unwägbarkeiten der
Menschen als Kunden
auseinanderzusetzen.
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Mangelnde Kundenzufriedenheit
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Marketing ist sehr viel
schwieriger zu handhaben, als
die meisten anderen Funktionen
im Betrieb. Der Buchhalter zum
Beispiel kann die Gewißheit mit
nach Hause nehmen, dass, wenn
Soll und Haben übereinstimmen,
er zumindestens formal
unangreifbar ist. Der
Marketingmann jedoch kann alles
richtig machen und dennoch einen
Kunden verlieren.
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Nicht selten ist mangelnde
Zufriedenheit der Kunden die
Ursache. Zu Zeiten stagnierender
Märkte kann man nicht mehr
automatisch davon ausgehen, dass
für jeden Kunden, den man hat,
zwei neue vor der Türe warten.
Die Priorität liegt heute
eindeutig auf der Verteidigung
bestehender Kunden und weniger
auf der Akquisition neuer
Kunden.
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Es stellt sich die Frage, wie
sich nun bestehende Kunden im
Marketing verteidigen lassen.
Das geht nur über die
Kundenzufriedenheit. Nur
zufriedene Kunden kommen zum
gegebenen Zeitpunkt auch wieder
auf den alten Anbieter zu und
schließen in der Regel mit ihm
dann auch neu ab.
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Oft genug wird hier eingewendet,
dass die Auswirkungen der
Kundenzufriedenheit sicherlich
für Friseure und Bäcker gelten,
nicht jedoch für die
Immobilienwirtschaft. Dies
allerdings ist eine sehr
kurzsichtige, nicht
marketinggemäße Einstellung.
Denn erstens kommt ein Anbieter
für Kapitalanleger durchaus zum
Wiederholungsabschluss in Frage.
Und zweitens steigt die
Mobilität in der Bevölkerung
allgemein. Man kann also auch
bei Eigennutzern davon ausgehen,
dass sie im Leben mehrfach mit
Immobilienkauf oder -verkauf in
Berührung kommen. Sei es nur für
die Kinder, die Eltern, beim
Ferienhaus oder aus anderen
Gründen. Es lohnt sich also
durchaus, auf die Zufriedenheit
bestehender Kunden zu achten.
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Die eigentliche Bedeutung der
Kundenzufriedenheit erschließt
sich aber erst bei einer anderen
Betrachtung. Man muss davon
ausgehen, dass unzufriedene
Kunden nur selten ihrer
Unzufriedenheit wirklich in
vollem Umfang Ausdruck
verleihen. Wir alle kennen das
aus anderen Lebensbereichen nur
zu gut. Wird man irgendwo
schlecht bedient, nimmt man sich
am gleichen Tag vor, sich
persönlich bei der
Geschäftsführung zu beschweren.
Doch irgendetwas kommt immer
dazwischen. Das Endergebnis ist,
dass man sich zuletzt gar nicht
mehr so genau erinnert, worüber
man sich eigentlich beschweren
wollte und ob die Sache wirklich
eine Beschwerde Wert ist. Im
Marketing spricht man dann von
sogenannten Unvoiced complainers,
Personen, die subjektiv zwar
einen Grund zur Beschwerde
haben, diesen jedoch nicht zum
Ausdruck bringen.
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Schlechte Nachrichten verbreiten
sich häufiger
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Das eigentliche Problem liegt
nun darin, dass diese Personen
ihre Frustration durch
Meinungsäußerung im sozialen
Umfeld abbauen. Bei jeder sich
nur bietenden Gelegenheit wird
über die erlebte
Beschwerdesituation mit dem
Anbieter berichtet. Dabei gibt
es zwei Phänomene. Zum einen,
dass sich die Dramatik der
Situation im Bericht zunehmend
aufschaukelt, der
Beschwerdegrund also immer
unverschämter wird. Zum anderen
werden auf diese Weise meist nur
negative Erlebnisse
weitergetragen. Marktforscher
haben herausgefunden, dass sich
negative Nachrichten über
Anbieter bis zu 13mal im
sozialen Umfeld multiplizieren,
positive Nachrichten hingegen
durchschnittlich nur 3mal.
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Selbst wenn - was in der
Realität so nicht stimmt - jeder
Kunde nur einmal im Leben
Kontakt zur Immobilienbranche am
Ort hat, muss unverzichtbar
äußerster Wert auf
Kundenzufriedenheit gelegt
werden. Jeder unzufriedene Kunde
kann nämlich als verheerender
Multiplikator in seinem sozialen
Umfeld gegen einen Anbieter
aktiv werden. Das Problem dabei
ist, dass es gar nicht darauf
ankommt, ob der Kunde objektiv
einen Grund zur Unzufriedenheit
hat, also zum Beispiel wirklich
schlecht beraten worden ist. Es
reicht völlig aus, wenn der
Kunde subjektiv Gründe dazu hat.
Und die können angesichts der
für Laien äußerst komplexen
Abläufe in der Immobilienbranche
schnell unberechtigterweise
entstehen, selbst wenn alles
richtig gelaufen ist.
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Erschwerend kommt hinzu, dass
die meisten dieser unzufriedenen
Kunden sich nicht zu erkennen
geben. Damit gibt es für den
Anbieter nicht einmal die
Chance, auf diese Kunden
einzuwirken, Fehlverhalten zu
korrigieren oder
Wiedergutmachung zu leisten. Das
einzige, was er merkt, ist, dass
immer weniger Kunden zu ihm
kommen. Und er ist dann meist
völlig überrascht und kann sich
diese Entwicklung überhaupt
nicht erklären. Schließlich hat
sich bei ihm kaum einmal jemand
beschwert. Dennoch ist diese
Entwicklung eine geradezu
zwangsläufige Folge mangelnder
Kundenzufriedenheit, die durch
gezieltes Nachkauf-Marketing
sichergestellt werden muss.
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Redaktion: Helmut Peters